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Konzerte fotografieren: Scheiß Licht oder gar kein Licht!

Shooting beim MDME SPKR Konzert im Königskeller Germersheim


Schon seit fast einem Jahr besuche ich regelmäßig den Königskeller in Germersheim. Nicht als typischer Besucher - sondern als Fotograf. Als Schüler veranstalten wir, die gesamte 12. Klassenstufe, drei bis vier Mal im Jahr Partys im genannten Club. Um die Attraktivität der Veranstaltungen weiter zu steigern, entschied ich mich dazu neben dem Designs für Flyer und Tickets, dort auch als Fotograf tätig zu werden - ehrenamtlich selbstverständlich! Doch nicht zum ersten Mal wurde mir wieder bewiesen, dass sich auch unbezahlte Arbeit bezahlt machen kann.

 

Bei der letzten Party sprach mich während meiner Arbeit der Club-Besitzer an und fragte nicht, ob ich nicht Lust hätte auf einem ihrer Konzerte zu fotografieren. Überlegen musste ich da nicht lange. Neue Erfahrungen zu sammeln lohnt sich immer! Doch nicht nur das: Viel wichtiger war für mich in diesem Fall der soziale Kontakt

 

Soziale Kontakte sind für die Karriere, genauer gesagt für die Auftragslage, eines Fotografen der entscheidende Punkt. Vor allem bei Personen wie Firmenchefs, Vorsitzende eines Vereins oder Besitzer eines Veranstaltungsortes ist bei gelungener Arbeit mit einer Weiterempfehlung im großem Umkreis zu rechnen, was wiederum die Kontakte erweitert und die Aufträge steigert. Über Social Media, in meinem Fall Facebook, hielt ich mit dem Besitzer Kontakt und er lieferte mir Infos wann die nächsten Konzerte laufen. Ich meldete mich frühzeitig für einen passenden Termin an.

 

Sinnvoll ist es früh genug mit ordentlich Zeitpuffer an der Location zu sein. So kann man sich noch vorher ohne Zeitdruck mit den Verantwortlichen bzw. den entsprechenden Kontaktpersonen unterhalten und sich anweisen lassen. Schnell fand ich meinen Auftraggeber, mit dem ich mich einige Minuten unterhielt. Auch für einen Überblick über das Gelände, was sich gerade bei größeren Konzerten lohnt, bleibt dann noch Zeit. In meinem Fall handelte es sich um ein sehr kleines Konzert. Auch wenn die Band aus London kam, hatte ich im Club mit lediglich 10-15 Zuschauern "zu kämpfen". Diese entpuppten sich jedoch als recht zuvorkommend und gewährten mir meist den Platz, den ich einnehmen wollte.

 

Generell hatte ich beim Shooting so ziemlich alle Freiheiten. Ich musste nicht, wie bei größeren Konzerten, mit einem 'Pressegraben' auskommen oder durfte nur eine bestimmte Zeit fotografieren. Die kompletten ca. 45 Minuten konnte ich ausnutzen und mich dabei frei bewegen. Darüber war ich im Nachhinein auch froh, denn die schwierigen Lichtverhältnisse sorgten für genügend Ausschuss!

 

So ziemlich das anspruchsvollste Merkmal eines Konzerts ist für Fotografen das Licht. Salopp gesagt:

Hier gibt es meist nur zwei Arten des Lichts -  Scheiß Licht oder gar kein Licht! 

Bei den meisten Konzerten hat man mit Gegenlicht zu kämpfen. In meinem Fall blieb mir das zum Glück erspart und die Effektlichter strahlten von hinten, jedoch in ständig wechselnden Farben. So entstanden unzählige Bilder mit einem extremen Blau- oder Rot-Stich. Ohne Nachbearbeitung wären also gute Bildergebnisse kaum möglich gewesen. Doch dazu gleich mehr! 

 

Ich fotografierte mit meiner Nikon D7100. Empfehlen kann ich eine Kamera mit möglichst gutem Rauschverhalten. Eine Vollformatkamera wäre hier natürlich klar im Vorteil. Objektive, bei kleinen Konzerten wie diesem, empfehle ich bis zu einer Brennweite von maximal 100mm. Aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse sollten die Linsen möglichst lichtstark sein. Ich entschied mich für das 'Nikon 24-70mm 2.8' sowie das 'Nikon 50mm 1.8G'. Natürlich war das 50er mit seiner Lichtstärke von 1.8 im Vorteil, damit konnte ich oft auch bei ISO-Werten zwischen 1600 und 3200 fotografieren. Beim 24-70 blieb mir mit 2.8 meist nichts anderes übrig als den ISO-Wert auf 6400 zu setzen. Genutzt habe ich meist den Modus 'M' (Manuell). Blende so offen wie möglich, Verschlusszeit meist auf 1/60s und ISO-Auto. Bei der langen Belichtungsszeit nahm ich bewusst die Bewegungsunschärfe der Musiker in Kauf. Durch Serienbildaufnahme erwischte ich jedoch immer mal wieder Bilder, in denen keine Unschärfe zu sehen war. Bei kürzerer Verschlusszeit, hätte ich meinem ISO-Wert noch weiter erhöhen müssen, was der Bildqualität extrem geschadet hätte. Selbstverständlich wurde im RAW-Format fotografiert, um die Reserven für die Nachbearbeitung möglichst groß zu halten. 

Mein Lieblings-Tool 'Lightroom' rettete mir auch hier mal wieder sehr viele meiner Aufnahmen. Große fotografische Fehler kann man bei einem Shooting wie diesem eigentlich nicht machen. Jedoch ist das eben angesprochene Licht ein großes Problem. Ein komplett blau- oder rot-gefärbtes Bild ist definitiv nicht dafür gemacht gepostet oder auf Poster und Flyer gedruckt zu werden, das heißt für mich: 'Für den Kunden unbrauchbar!'. Bei einigen konnte ich durch geschicktes Verschieben der Weißabgleichsregler (bei blaugefärbten Bildern den Regler voll in Richtung gelb) die Farben der Bilder noch retten. Einige wurden aussortiert, schließlich braucht ein Kunde nie mehrere Bilder vom selben Motiv und mit gleichem Bildausschnitt. Einen Teil der Aufnahmen habe ich in Schwarz-Weiß umgewandelt. Mit nur einem Klick in Lightroom umgeht man so das gesamte Farb bzw. Lichtproblem. Außerdem fällt bei diesen Bildern das ISO-Rauschen weniger negativ auf. Durch das harte Licht der Scheinwerfer und die großflächigen dunklen Bildbereiche habe ich immer eine 'Crossentwicklung' vorgenommen, d.h. Lichter runter und Tiefen hoch. Automatisch führt das jedoch wiederum zu höherem Bildrauschen. Da half mir die Rauschreduzierung in Lightroom, die ich jedoch bis maximal 30 genutzt habe, da mir bei höheren Werten das Bild zu "ausgewaschen" wirkt. Nachgeschärft habe ich mit 'Betrag 60' nur leicht, da bei diesen ISO-Werten sowieso keine besonders herausragende Schärfe zu erwarten ist.

 

Im Endeffekt blieben von ca. 280 Aufnahmen knapp 50 Stück übrig. Qualität statt Quantität - Viele "gleiche" Bilder machen es für den Kunden langweilig und wirken unprofessionell! Alle Bilder exportiert und gleich auf Dropbox hochgeladen. Dropbox ist für mich ein Tool, um schnell und einfach Bilder zu meinen Auftraggebern zu liefern. Ich sendete den Link an den Club-Besitzer, der die Bilder gleich lobte und versprach sie an die Band weiterzuleiten. Einen Tag später übermittelte er mir die Nachricht:

 

"The pictures are great! My best to the guy who took it."

 

Eine Bezahlung gab es nicht - von der Band bekam ich als "Dankeschön" einen Link, mit dem ich mir ihr Album downloaden konnte.

 

Ob es das Wert war?

In meinen Augen definitiv! Neue geknüpfte Kontakte, Erfahrung in einer neuen Fotografie-Sparte und lobende Worte von "Übersee". Ich bin froh und dankbar, dass ich den Auftrag durchführen durfte und freue mich auf weitere Shootings!

- Jannik Mahl, 07. Dezember 2017

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Kommentare: 1
  • #1

    Flo (Samstag, 31 Dezember 2016 15:42)

    Toller Beitrag!