· 

Testbericht: Sigma 10-20mm F3.5 EX DC HSM – Ultraweitwinkel für lau?

In den vergangenen Monaten hatte ich die Gelegenheit an meinen drei Nikon Bodys, der D3100, der D7100 sowie der D500 das Ultraweitwinkel Sigma 10-20mm F3.5 EX DC HSM ausgiebig zu testen. Im Folgenden will ich daher meine Erfahrungen teilen und eine Einschätzung geben, für wen dieses Objektiv geeignet ist und für wen nicht.

 

Im Lieferumfang ist neben dem üblichen Papierkram ein recht stabiler Objektivköcher enthalten, mit dem sich das Objektiv in jeglicher Situation sicher transportieren lässt. Ebenfalls beinhaltet ist eine Gegenlichtblende – nicht untypisch nämlich, dass in diesem Preissegment so etwas separat dazubestellt werden muss. Apropos Preis – Die Linse kostet derzeit rund 380 Euro (September 2017). Damit ist sie günstiger als die Konkurrenz wie das Nikon 10-24mm (850 Euro) oder das Tokina 11-16mm (460 Euro).

 

Die Verarbeitung lässt sich durchaus als solide bezeichnen. Zwar ist die Außenhaut komplett aus Kunststoff, trotzdem wackelt nichts, knarzt nichts und funktioniert einwandfrei. Ein Staub- und Spritzwasserschutz ist nicht vorhanden, dafür vermittelt das Metallbajonett ein durchaus sicheres Gefühl, was die Langlebigkeit angeht. Die Linse ist nur leicht konvex geformt, somit ist die Montage eines Schraubfilters von 82mm kein Problem.

Zur Ausstattung gehört ein Schalter, um zwischen manuellem und Autofokus zu wechseln sowie eine Fokusskala, was besonders bei der Landschaftsfotografie eine große Hilfe ist. Auch das ist nicht üblich in dieser Preisklasse. Ein Bildstabilisator ist nicht verbaut, bringt in meinen Augen bei einer solch geringen Brennweite aber auch nur wenig Vorteile mit sich.

 

 

Doch, wer braucht so ein Objektiv überhaupt? Vor meinem Test dachte ich rein an einen Nutzen in der Landschaftsfotografie. Aber nun weiß ich, jeder braucht sowas! Das Fotografieren bei 10mm ist so motivierend wie keine andere Brennweite! Jedes Bild hat einen Blickwinkel, aus dem man das jeweilige Motiv noch nie gesehen hat. Einige Bildbeispiele, aufgenommen mit dem Sigma 10-20 zeige ich hier unten:

Doch nun zum wichtigsten Punkt: der Bildqualität. Konstruiert ist die Linse für APS-C Kameras, daher ist sie am Vollformat nicht ernsthaft nutzbar. Grundlegend gilt es außerdem zu sagen, dass die Konstruktion eines Ultraweitwinkels eine weitaus höhere Herausforderung darstellt als die eines Normalzooms. Mit diesem Gedanken im Hintergrund kann ich ohne schlechten Gewissens sagen, dass das Objektiv im Aspekt Bildqualität sein Geld wert ist. Natürlich ist besonders bei 10mm eine gewisse Verzeichnung vorhanden, diese ist jedoch nicht sehr störend und lässt sich zumindest zum Großteil in der Bildnachbearbeitung entfernen. Gleiches gilt für die chromatischen Aberrationen. Diese verschwinden allerdings weitestgehend beim Abblenden. Die Bildschärfe ist im Allgemeinen „okay“ und ähnelt der eines Kitobjektivs. Jedoch sollte möglichst oft abgeblendet werden, da sich dann die allgemeine Schärfe erhöht. Die Offenblende von 3,5 lohnt sich eigentlich nur bei schlechten Lichtverhältnissen, da sich die Bildqualität z.B. bei Blende 8 enorm erhöht. Auch der Autofokus tut sich so leichter, denn gerade der hat bei Blende 3,5 und bei Motiven im Abstand von wenigen Metern so seine Probleme den Fokus auf das Motiv einzustellen. So entstehen gerne mal unscharfe Aufnahmen. Aus diesem Grund so oft es nur geht: Abblenden! Jedoch spielt das nur in wenigen Aufnahmesituation eine Rolle. Bei Landschaften beispielsweise wird so oder so die Blende weit geschlossen, sodass die Schwierigkeiten mit chromatischen Aberrationen, die Bildschärfe und die Fokusprobleme keine wirkliche Rolle mehr spielen.

 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Objektiv durchaus meine Erwartungen an ein 380 Euro Ultraweitwinkel erfüllt hat. Die Leistungen sind für den Hobbyfotografen völlig ausreichend und aufgrund des grandiosen Blickwinkels eine absolute Empfehlung! Ob ich mir das Objektiv selbst zulegen werde? Nein! Die Offenblende von 3,5 ist zum einen für Situationen bei schlechtem Licht grenzwertig, zum anderen aufgrund des unpräzisen Autofokus nur bedingt nutzbar. Trotzdem hat mich das Objektiv über den Nutzen eines Ultraweitwinkels absolut überzeugt und es wird sicherlich bald eines in meiner Fototasche landen. Für Hobbyfotografen im Bereich Landschaft und Architektur gibt es allerdings meine klare Kaufempfehlung!

 

Kurzfazit:

 

+   solide Verarbeitung

+   Schalter für manuellen und Autofokus

+   Fokusskala

+   genialer Blickwinkel

+   günstiger Preis

+   ordentliche Bildqualität bei geschlossener Blende (z.B. f/8)

 

o   nur an APS-C Kameras ernsthaft nutzbar

 

-   recht geringe Schärfe bei Offenblende

-   chromatische Aberrationen bei Offenblende

-   Autofokus nicht immer treffsicher