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Volleyball fotografieren: Dein ganz eigener Sport!

 „Unfassbar schnell und unvorhersehbar“ – Alles Begriffe, die mir in den Sinn kommen, wenn ich an meine bisherigen Volleyball-Shootings zurückdenke. Wie man trotzdem, auch als Einsteiger, diese Aufgabe meistern kann, will ich im Folgenden erläutern. Ein Einblick in den Alltag eines Sportfotografen…

 

Aber mal von Anfang an: Wie gelangt man überhaupt an ein solches Shooting? Ganz klar, der angenehme Weg verläuft über eingehende Telefonanrufe, E-Mails oder die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda. Jedoch ist die Chance als Einsteiger einen Auftrag zu erhalten eher gering. Dabei heißt es Mut beweisen: So gut wie jeder kleine örtliche Sport- oder Volleyball-Verein sucht preiswerte Hobbyfotografen, die ein paar Bilder für die Öffentlichkeitsarbeit in Zeitungsartikel oder in ihre Websites zaubern. Also ran an den Speck, ähm... Höhrer, meine ich! Oder eben ran an die Tastatur, deine örtlichen Vereine kontaktieren, um ihnen deine Leistungen anzubieten. Gut kommt dabei immer das Angebot eines „kostenloses Probeshootings“, damit sich die Zuständigen zunächst von deiner Arbeit überzeugen können, bevor sie dafür Vertrauen aufgebaut haben.

 

Wenn ein Shooting-Termin festgelegt wurde, startet das beliebte Spiel „Ich packe meinen Koffer“! Auch wenn man, wie eigentlich immer, mit jeder Kamera vernünftige Bilder machen kann, gibt es einige Faktoren, auf die man bei der Kamerawahl achten sollte. Der Fokus liegt hier auf absolut auf Tempo! Das gilt sowohl für den Serienbildmodus, der möglichst viele Bilder pro Sekunde machen sollte, ebenso wie für den Autofokus, der bei den schnellen Bewegungen und Situationswechseln eigentlich gar nicht schnell genug sein kann. Eher geeignet halte ich dafür eine klassische DSLR, da diese mit ihrem optischen Sucher keine Bildverzögerung hat und bei schlechten Lichtbedingungen eine bessere Übersicht bietet. „Schlechte Licht-bedingungen“ ist ein gutes Stichwort! Abgesehen vom eher selteneren Beachvolleyball finden Volleyballspiele meist in Hallen statt. Diese Tatsache führt gerne mal zu Schwierigkeiten bei der Ausleuchtung. Hohe ISO-Werte erfordern Kameras mit wenig Rauschproblemen. Ein K.O.-Kriterium ist dies jedoch nicht, ein besseres Rauschverhalten verbessert lediglich die Bildqualität in den Details. Auch mit Einsteiger DSLRs lassen sich tolle Volleyball-Fotos machen! Die im Beitrag sichtbaren Bilder wurden mit einer Nikon D7100 bzw. einer Nikon D500 gemacht.

Als Objektiv empfehle ich generell Zoomobjektive um spontan auf die wechselnden Ereignisse eingehen zu können. Für das reine Spiel empfiehlt sich ein Standartzoom wie mein Nikon 24-70 2.8. Eine Ausnahme und gleichzeitig Empfehlung spreche ich hier für das klassische 50mm 1.8 aus. Die günstige Festbrennweite eignet sich sehr gut für das Geschehen auf dem Spielfeld und bietet mit der großen Offenblende von 1.8 perfekte Eigenschaften für schlechte Lichtverhältnisse in der Halle. Generell ist dies schon ausreichend. Für die „besonderen Bilder“ lohnt sich außerdem immer ein Weitwinkel, in meinem Fall das Sigma 10-20 3.5 und ein Tele wie ein 70-200 2.8 für Details oder Aufnahmen vom Randgeschehen. Wirklich notwendig ist dies jedoch nicht. Detail- oder Weitwinkel-Aufnahmen vom Randgeschehen dienen lediglich zur Abrundung der Galerie. Ein Blitzgerät ist nicht zu empfehlen, da sich dadurch die Spieler schnell gestört fühlen können. Wie immer ist es sinnvoll ein Kameragurt dabeizuhaben, außerdem mindestens einen Ersatzakku sowie Ersatzspeicherkarten. Ebenfalls nützlich ist ein Batteriegriff. Dadurch hat man mit zwei eingebauten Akkus keine Sorgen mehr, was die Laufzeit angeht, außerdem bietet der Hochkantgriff ein angenehmes Fotografieren im Hochformat. Weiteres Equipment ist nicht nötig. Theoretisch ist ein Volleyball-Shooting auch mit einer Einsteiger DSLR und einem klassischen 18-55mm Kit-Objektiv machbar.

Nun zum Shooting selbst: Es lohnt sich immer einige Minuten früher vor Ort zu sein. Im Gegensatz zu den meisten Portraitshootings beispielsweise, kann der Kunde bei solchen Turnieren nicht auf den Fotografen warten, wenn sich dieser verspäten sollte, da das Spiel immer offiziell zu einer bestimmten Uhrzeit startet. Alleine um diesen Fall zu vermeiden lohnt sich eine verfrühte Anreise. Jedoch gibt es noch einen weiteren Vorteil: Bereits 15-30 Minuten vorher wärmen sich die Spieler in der Halle auf. Dies eignet sich zum einen perfekt für viele Aufnahmen aus dem Randgeschehen, zum anderen aber auch sehr gut, um sich selbst „warmzufotografieren“. Jeder, der zum ersten Mal Volleyball fotografiert, wird merken wieso! Als Fotograf vollführt man am Spielfeldrand seinen ganz eigenen Sport. Denn Volleyball ist schnell, verdammt schnell! Glaubt mir, die ersten 100 Bilder sind in der Regel für die Tonne. Aber gerade diese 100 Bilder braucht man, um sich in das Spiel einzufinden. Dabei heißt es nicht aufzugeben, Konzentration zu bewahren und versuchen die Action einzufangen. Dabei sind Punkte wie Bildaufbau und Komposition zunächst zweitrangig. Alleinig das Einfangen einer besonderen Situation, dazu gehören z.B. Sprünge oder Duelle am Netz, kann als Erfolg gewertet werden. Meist fotografiere ich im manuellen Modus. Die Blende bleibt immer so offen wie möglich, um die maximale Lichtmenge auskosten zu können. Aufgrund der schnellen Bewegungen ist man an eine kurze Verschlusszeit gebunden. Die sollte auf jeden Fall 1/800s betragen, besser 1/1000s. Um flexibel zu bleiben lohnt sich die ISO-Automatik. Wie schon zuvor bei der Kamerawahl erwähnt, muss man sich besonders bei schlecht ausgeleuchteten Hallen auf hohe ISO-Werte gefasst machen. ISO 2000 bis 3200 ist völlig normal, in ungünstigen Fällen auch bis hoch zu ISO 8000. Klar sinkt da bei so gut wie jeder Kamera der Welt die Bildqualität in den Keller. Aber Kopf hoch: Volleyball-Bilder werden selten wie Landschaften in quadratmetergroßen Großformatdrucken weiterverwendet, sondern landen in kleinem Format in Zeitungen oder in Facebook-Posts. Und dabei spielen verlorene Details kaum eine Rolle. Da zählt der eingefangene Moment – und der soll auch beim Fotografieren im Vordergrund stehen! Zu typischen Bildern aus den Randgeschehen gehören Weitwinkelaufnahmen der Mannschaften bei der Besprechung in den kurzen Zwischenpausen, ebenso wie Detailaufnahmen der einzelnen Spieler und Trainer am Spielfeldrand. Auch eine Einbindung der Zuschauer in die Bilder ist bei Vereinen oder Veranstaltern gerne gesehen. Einige Beispiele für Aufnahmen aus dem Randgeschehen findest Du hier:

Als beste Position gilt immer links oder rechts vom Netz. Hier spielt sich der größte Teil der Action ab und es lässt sich immer schnell zwischen den Mannschaften wechseln. Um noch mehr Abwechslung ins Album zu bekommen, ist es sinnvoll verschiedene Perspektiven auszuprobieren. Dabei darf man sich auch ruhig mal einige Minuten "ganz faul" auf den Boden legen, um neue Blickwinkel zeigen zu können.

Zuhause angekommen hat man dann gut und gerne mal mehrere hundert Bilder auf der Speicherkarte. Die erste Mission heißt dabei aussortieren. Grundsätzlich werden bei mir Bilder aus dem Spiel nur behalten, wenn sie scharf sind und wenn die gezeigte Bewegung interessant und vor allem nachvollziehbar aussieht. Meist wirken Bilder, auf denen der Ball nicht zu sehen ist, unnatürlich, da die Bewegung des Spielers nicht wirklich nachvollziehbar ist. Bearbeitet wird die Auswahl dann zunächst im Beschnitt. Dieser wird eher eng gehalten, um sich auf die Action im Bild zu konzentrieren. Trotzdem sollten Regeln wie die Drittel-Regel usw. beachtet werden, da so auch bei Volleyballbildern die Attraktivität gesteigert werden kann. Des Weiteren wird die Belichtung der

Bilder angepasst, die Dynamik erhöht, stark nachgeschärft (Betrag 80 in Lightroom) und je nach ISO-Wert und Kamera das Bildrauschen eliminiert. Übertreiben sollte man dabei nicht, in der Regel befindet man sich immer noch im Bereich der Dokumentarfotografie und da sollten Bilder möglichst natürlich wirken. Trotzdem lohnt sich gerade bei Bildern aus dem Randgeschehen der Schritt auf den Button „Schwarz-Weiß“, um etwas Abwechslung im Album zu erzeugen. Was für nicht Sportfotografen vielleicht zunächst erschreckend wirkt. Ein Ausschuss von 90% ist völlig okay! Im Schnitt bleiben bei mir bei einem Spiel maximal 100 Bilder übrig, denn auch hier gilt: Qualität statt Quantität!

Nicht nur beim Fotografieren, auch in der Abwicklung des Shootings ist das Tempo wichtig. Bilder eines Spiels werden oft schon wenige Tage später für Artikel oder Social Media Posts verwendet, daher macht man sich beim jeweiligen Verein sehr beliebt, wenn man es schafft die Bilder am darauffolgenden oder evtl. sogar noch am selben Tag zu liefern. Die Übergabe per CD, DVD oder USB-Stick wird in der Regel nicht verlangt. Beliebter ist da das Verbreiten über eine Cloud wie z.B. Dropbox. So gelingt die Übergabe schneller und die Bilder können auch vereinsintern schneller an Spieler, Trainer, usw. weitergegeben werden.

 

 

Ich hoffe ich konnte Dir hiermit einen gelungenen Einblick in den Workflow eines Volleyball-Shootings geben. Lass doch gerne ein Kommentar da, wir freuen uns auf Deine Beiträge, Lob und Kritik!

 

- Jannik

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